5 Arten von Selbstversorgern

Wenn man ein Projekt wie Selfbio startet, lernt man viele interessante Leute kennen. Viele davon nennen sich Selbstversorger, sind aber grundverschieden in Ansichten und Konzept. Hier meine ganz persönliche Unterteilung.

Der folgende Artikel ist nicht so ganz ernst gemeint, sondern spiegelt meine Erfahrungen mit den unterschiedlichen Arten von Selbstversorgern wieder. Übrigens – ein hundertprozentig von der Außenwelt unabhängigen Selbstversorger ist mir noch nicht begegnet.

 

1. Der Gelegenheitsselbstversorger

gelegenheitsselbstversorger

Unter diese Gruppe fallen wohl die meisten Hobbygärtner. Das Gute an dieser Gruppe ist, sie wissen ganz genau, dass sie sich nicht komplett selbst versorgen können. Der Begriff Selbstversorger ist eher ein willkommenes Trendwort.

Die Gärten dieser Gruppen sind idR. 100-300m² groß. In den Sommermonaten klappt die Versorgung mit Gemüse, Obst und Gewürzen recht gut, und es werden sogar Vorräte für den Winter angelegt. Mit wachsender Erfahrung werden die Ernten besser und es wird eigenes Saatgut gewonnen. Wenn möglich werden Hühner gehalten oder andere Kleintiere.

Mitglieder dieser Gruppe sind offen für Ideen und probieren viel aus – auch in der Küche.

Da sich diese Gruppe nicht der Realität verweigert, sieht sie, dass auf dem begrenzt zur Verfügung stehenden Land nicht alles angebaut werden kann. Öl, Getreide, Milchprodukte und Fleisch müssen zugekauft werden – aber das ist nicht schlimm, da das ganze als Hobby verstanden wird.

Diese Gruppe leistet trotzdem einen sehr guten Beitrag, indem sie andere von selbst angebauten Produkten begeistert und ihre Kinder mit einer guten Verbindung und Respekt zur Natur aufwachsen. Sind die Gärten naturnah angelegt bieten sie vielen Arten ein Zuhause (Artikel: Biodiversiät im eigenen Garten fördern).

 

2. Der hauptberufliche Selbstversorger

profi-selbstversorger

Den hauptberufliche Selbstversorger lebt den Traum von Vielen, jedenfalls auf den ersten Blick, aber dazu später. Er hat mindestens einen Hektar Land, Tiere, weiß wie er sich bevorratet – im Grunde genommen könnte man schon von einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb sprechen. Genau wie der Landwirt hat er aber auch einen gewissen Druck, dem er ausgesetzt ist. Tiere wollen gefüttert und gepflegt, die Ernte zur richtigen Zeit eingefahren werden, und er hat Probleme in den Urlaub zu fahren, weil sich nur schwerlich jemand finden lässt, der einen so großen Garten pflegt.

Das wichtigste hier ist die Familie die das ganze mittragen muss – und mithelfen.

Finanziell kann sich diese Art der Selbstversorgung kaum jemand leisten, denn für eine geregelt Arbeit neben dem Garten bleibt nicht viel Zeit. Hier bringt eine große Familie mit mehreren Generationen Vorteile. Gut ist es, wenn der Selbstversorgern Ernteüberschüsse verkaufen kann.

Das Hauptproblem dieses Selbstversorgers ist er/sie selber. Egal wie schön man sich die Sache vorgestellt hat, schnell wird man von der Realität eingeholt. Und die besteht oft aus Frustration (Schädlinge, Fehlernten, etc.), finanziellen Problemen, dem harten Alltag oder reiner Lustlosigkeit – Garden Burnout.

 

3. Der Alu-Hut-Selbstversorger

aluhut-selbstversorger

Die Regierung ist schuld, die Frau Merkel, die Großkonzerne, die geheime Weltregierung, echsenartige Aliens und wahrscheinlich auch die Flüchtlinge. Da alles was man kauft vergiftet ist, dem Leitungswasser gedankenkontrollierende Zusätze beigefügt sind, Flugzeuge via Chemtrails uns zu gefügigen Zombies machen, muss selber angebaut werden. Ok zugegeben, möglicherweise stelle ich diese Gruppe etwas überspitzt dar und werfe hier einiges zusammen aber nach einiger Zeit ist man wirklich frustriert angesichts der Realitätsverweigerung und Aggressivität dieser Menschen. Argumente zählen leider nichts. Wer am lautesten im Internet schreit und die wildesten Thesen aufstellt, dem folgt man (kauft seine Bücher und besucht seine Seminare).

Die Gärten reichen in der Realität bei weitem nicht aus um sich selber zu versorgen und selbst wenn genug Land zur Verfügung steht, reicht die Ernte nicht, da man sich bewährten Anbaumethoden verweigert.

Übrigens – wer sich kritisch gegen diese Gruppe äußert ist von Konzernen gekauft – LügenKresse halt :)

 

4. Der Social-Media-Selbstversorger

social-selbstversorger

Eigentlich keine komplett eigene Gruppe, sondern Menschen die sich in veränderlichen prozentualen Anteilen aus den oberen Gruppen speisen mit der Affinität ihr Machen Anderen zu präsentieren. Das ist eine tolle Sache, denn wenn man es gut macht begeistert man sehr viele Menschen es einem gleich zu tun und sich dem Anbau eigener Nahrung zu widmen, mit allen positiven Nebeneffekten die das so mit sich bringt. Ob mit der ganzen Sache Geld verdient werden soll, z.B. bei Youtube, ist komplett nebensächlich, denn es kommt auf glaubhafte Inhalte an.

Der Hauptfeind dem sich der Social-Media-Selbstversorger gegenübersieht ist der Kommentator der seine Inhalte, oft auf beleidigende Weise zerreißt. Aber halt! Wer reine Hater und Internettrolle erst einmal von richtigen Kritikern zu unterscheiden weiß, wird in ihnen ein wichtiges Instrument sehen, sich und seine Inhalte zu verbessern.

 

5. Der Mono-Selbstversorger

mono-selbstversorger

Dieser Selbstversorger kann sich selbst versorgen, das ganze Jahr lang – genau mit einer bestimmten, heiß geliebten Pflanze. Besonders beliebt sind Tomaten, Chilis, Kartoffeln oder Äpfel. In diesen Menschen finden man wichtige Experten und Ansprechpartner zu dieser Pflanze von denen man sehr viel lernen kann, sind sie denn gewillt ihr Wissen zu teilen. Nicht selten werden aus Mitgliedern diese Gruppe Züchter, welche uns neue, tolle Sorten präsentieren.

 

Und zu welcher dieser Gruppen zählst Du Dich? Kennst Du noch andere Klassifizierungen. Die Kommentare bieten viel Platz dafür ;)

Kommentare (2)

Profilbild GreenMint74 schrieb am
14.06.2017 um 18:24
0 Antworten

Hallo zusammen!

Also bis jetzt kenne ich eigentlich nur eine einzige Gruppe:

Den Selbstversorger.

Quelle: Der Duden:

Selbst­ver­sor­ger, der
Worttrennung: Selbst|ver|sor|ger
jemand, der sich selbst (mit Nahrung, bestimmten Gütern o. Ä.) versorgt

Das ist die Definition. Ich kann dieser Definition nirgendwo entnehmen, dass man sich nur Selbstversorger nennen darf, wenn man einen Hektar Land oder mehr zur Verfügung hat und bestellt.
Da steht auch nichts darüber, dass man nur Selbstversorger ist, wenn man in der Lage ist, sich mit allem lebensnotwendigen Dingen selbst zu versorgen. Ist auch logisch. Das bedeutet der Begriff nicht. Das wäre Autarkie. Dies wird leider auf einschlägigen Kanälen und Blogs immer wieder verwechselt (ich sehe alle Gartenkanäle grundsätzlich gerne, aber dies stört mich immer wieder). Viele Leute lesen diesen Begriff in Büchern vom guten alten John, auf Wikipedia oder sonstwo und halten dies dann für das Maß aller Dinge.
Hält man sich strikt an die obige Definition, müssen die in Selbstversorgung produzierten Dinge nicht einmal essbar sein.
Nach meinem Dafürhalten stellt für einige der Begriff "Selbstversorger" heute einen Maßstab der persönlichen Arbeitsleistung dar: "Ich habe mehr Acker als Du, deshalb bin ich Selbstversorger und Du nicht"...

Ist natürlich Quatsch. Ein Autofahrer, der zweimal die Woche zum Einkaufen fährt, wird gleichermaßen Autofahrer genannt, wie der tägliche Pendler. Und nicht "Hobbyfahrer" oder teilweiser Fahrer, nicht wahr?

Ich sage, der Begriff "Selbstversorger" ist wörtlich zu nehmen. Ich pflanze einen Apfelbaum und versorge mich somit mit Äpfeln selbst. Also bin ich Selbstversorger. Denn in welchem Maße dies zu geschehen hat, steht amtlich nirgendwo. Alles andere ist meiner Meinung nach selbstdefiniert.

Ich würde mich noch darauf einlassen zu sagen Selbstversorgung meint "durch der eigenen Hände unmittelbarer (!) Arbeit". Ich gehe also nicht im Büro arbeiten und kaufe mir vom Verdienst den Apfel im Supermarkt.

Auch "teilweise" Selbstversorgung als Begriff finde ich grundsätzlich ok, denn das sind alle Selbstversorger. Ansonsten wären sie schlicht "autark lebende Menschen"...

Gingen wir von hier genannten Gruppierungen aus, gehörte ich definitiv zur ersten. Allerdings auch ein Stück weit zur dritten. Ich glaube nicht unbedingt, das Angie oder andere Aliens mir persönlich was getan haben, aber bei Monsanto und Co. hört bei mir der Spaß definitv auf.

In diesem Sinne danke für die tolle Seite und Deinen wachsenden YouTube Kanal. Wird noch abonniert. Und ich hoffe Du bleibst Deiner dortigen Linie treu ;-)

MfG!

Profilbild Selfbio schrieb am
14.06.2017 um 19:18
0 Antworten

Hallo GreenMint :)
Vielen Dank für Deinen Beitrag. Ja mit Definitionen ist das immer so ein Sache und da hat jeder seine eigene und das ist auch ok so.
Gibt kein Grund, dass sich Leute wegen sowas streiten. Wenn jemand sich als Selbstversorger fühlen möchte dann sollte ihm das keiner nehmen - auch wenn er nur einen kleinen Balkon hat.

Viele Grüße
Sascha