Einigen gehen die Bestimmungen der EU-Verordnung Ökologischer Landbau nicht weit genug. Deutsche Anbauverbände wie Bioland oder Demeter haben ein weitaus strikteres Regelwerk, welches Landwirte befolgen müssen, bevor sich ihre Waren mit den entsprechenden Biosiegeln kennzeichnen dürfen. Dieser Artikel soll zeigen, wie schwer es die Ernte aus dem eigenen Garten haben würde, alleine der EU-Verordnung Ökologischer Landbau zu entsprechen.

Beginnt man die EU Verordnung zu lesen, wird schnell deutlich, dass es keinen alleinigen Fokus, wie gerne fälschlich angenommen, auf die Erzeugung qualitativ hochwertiger und unbelasteter Produkte gibt. Genauso stark werden Faktoren wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Tierwohl gewichtet.


Lassen wir für unsere Betrachtung einmal tierische Produkte, Verarbeitungsbestimmungen und Kennzeichnungspflichten ausser Acht und konzentrieren uns auf pflanzliche Erzeugnisse.
Wir gehen davon aus ein Stück Land, irgendwo in Deutschland, zu besitzen oder zu pachten und dort Gemüse, Obst, Salat und Kräuter für den Eigenbedarf anzubauen.
Hier einige Punkte die ein Biolandwirt erfüllen müsste - erfüllt man diese auch im eigenen Garten?


1.  Bodengesundheit

Artikel 5 / a aus der EG-Öko-Verordnung Nr. 834/2007
"Erhaltung  und  Förderung des  Bodenlebens  und der natürlichen Fruchtbarkeit des Bodens, der Bodenstabilität und der biologischen Vielfalt des Bodens zur Verhinderung und Bekämpfung der Bodenverdichtung und -erosion und  zur Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen hauptsächlich über das Ökosystem des Bodens"

Artikel 12 / a aus der EG-Öko-Verordnung Nr. 834/2007
"Bei der ökologischen/biologischen pflanzlichen  Erzeugung   müssen  Bodenbearbeitungs -  und  Anbauverfahren  angewendet  werden, die die organische  Bodensubstanz  erhalten  oder  vermehren,  die Bodenstabilität  und  die biologische Vielfalt im Boden verbessern und Bodenverdichtung und  Bodenerosion verhindern."

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden ist schon einiges an Fachwissen, der Bewirtschaftung des Bodens betreffend, notwendig. Ziel ist es, trotz Bewirtschaftung, den Boden gesund zu halten. Pflanzen die auf gesunden Böden wachsen brauchen weniger Düngung. Im eigenen Garten ist es wichtig dem Boden organisches Material zurückzuführen, welches vom eigenen Komposthaufen stammt.


2.  Schädlinge, Krankheiten und Unkräuter

Artikel 12 / e aus der EG-Öko-Verordnung Nr. 834/2007
"Die Verhütung von Verlusten durch Schädlinge, Krankheiten und Unkräuter hat sich hauptsächlich auf den Schutz durch Nützlinge, geeignete Arten und Sortenwahl, Fruchtfolge, Anbauverfahren und thermische Prozesse zu stützen."

Artikel 12 / f aus der EG-Öko-Verordnung Nr. 834/2007
"Bei einer festgestellten Bedrohung der Kulturen dürfen lediglich solche Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die nach Artikel 16 für die Verwendung in der ökologischen/biologischen Produktion zugelassen wurden."

Beim Thema Düngung, Unkraut- und Schädlingsbekämpfung passiert in einigen privaten Gärten viel Schlimmeres als in der konventionellen Landwirtschaft. Es wird ohne Sinn und Verstand gedüngt (überdüngt) und es wird alles an Insektiziden und Pestiziden verwendet was der Markt hergibt, und das leider nicht selten nach dem Motto "mehr ist mehr". Dabei lassen sich Mischkulturen und Fruchtfolgen einfach realisieren und auch Nützlingen kann man mit wenig Aufwand unterstützen und einsetzen.
Übrigens - Glyphosat gehört natürlich nicht zu den zugelassenen Mitteln in der biologischen Produktion.

 

Gemüse
Würde unser Gemüse allen Bestimmungen der EU-Verordnung Ökologischer Landbau gerecht werden?


3. Verwendung von Biosaatgut und Pflanzen

Artikel 12 / i aus der EG-Öko-Verordnung Nr. 834/2007
"Für die Erzeugung anderer Erzeugnisse als Saatgut und vegetativem Vermehrungsmaterial darf nur ökologisch/biologisch erzeugtes Saatgut und Vermehrungsmaterial verwendet werden. Zu diesem Zweck muss die Mutterpflanze bei Saatgut bzw. die Elternpflanze bei vegetativem Vermehrungsmaterial mindestens während einer Generation oder bei mehrjährigen Kulturen für die Dauer von zwei Wachstumsperioden nach den Vorschriften dieser Verordnung erzeugt worden sein."

Hier wird es für die meisten von uns sehr schwer, da der Markt viele interessante Sorten und Pflanzen anbietet, welche man nicht als Biosaatgut oder Pflanze bekommt. Artikel: Drei Gründe für den Kauf von Bio-Saatgut


Dies sind nur einige wenige Beispiele die zeigen sollen, dass man es wohl nicht so einfach hätte zertifizierte Bioprodukte im eigenen Garten anzubauen. Darüber hinaus hat der Biolandwirt Umstellungszeiten zu beachten bevor auf seinem Land Bioprodukte angebaut werden dürfen und er unterliegt vorgeschriebenen Kontrollen.

 

Fazit

Produkte die "nur" das EU-Biosiegel besitzen als minderwertige Bioprodukte abzuwerten ist schlichtweg falsch und wird weder den Landwirten noch den Produkten selbst gerecht. Sicherlich, Höfe die Verbänden wie Bioland, Demeter, Naturland und Co. angehören leisten einen noch höheren Beitrag zum Umweltschutz da sie viel strengeren Regeln unterworfen sind. Aber auch Betriebe, welche die Berechtigung erhalten haben, das Biosiegel der EU zu verwenden, liefern Produkte mit vielfachen Vorteilen gegenüber konventionell angebauten Lebensmitteln - für den Verbrauchen und die Umwelt.

Auch wenn die Ernte aus unsere Gärten wahrscheinlich kein Biosiegel erhalten würde, bietet uns der Anbau von Nutzpflanzen diverse Vorteile. Mit dem nötigen Wissen ist es ohne weiteres möglich, einen Teil unserer Nahrung gesund und umweltverträglich herzustellen. Im Garten kann man viel für eine biologische Vielfalt (Biodiversiät im eigenen Garten fördern) tun, Tiere unterstützen und auf den Einsatz von Pestiziden und künstlicher Stoffe verzichten. Dazu kommt, dass Transport und Verpackungen wegfallen.