Chilipflanzen aus Stecklingen ziehen

Sie wollten schon immer mal einen genetischen Klon von einer Pflanze erzeugen? Stecklinge zu generieren ist eine einfache Methode um Chilis und auch andere Pflanzen zu vermehren.

Zunächst eine kurze Geschichte dazu.
Es war einer dieser ersten Frühlingstage, das Wetter mild und der Gedanke lag nicht fern die überwinterte Rocoto Chili mal endlich wieder an die Luft zu lassen. Kurzerhand entschloss ich mich die Pflanze auf den Balkon zu stellen. Zum Herbst hatte ich die Pflanze stark eingekürzt und über die Winterzeit kamen zögerlich immer wieder mal neue Triebe aus den über gebliebenen Ästen. Dies hat durch die länger werdenden Tage sichtbar zugenommen.
Es dauerte allerdings nicht lange und eine kräftigere Windböe riss eine Verzweigung von der Chilipflanze. Die vielen Blätter boten bereits genug Fläche um den noch schwachen Trieb von der Pflanze zu reißen.

Dieser Chilizweig wurde durch den Wind von der Pflanze gerissen.

Die Pflanze hatte auch den ganzen Winter keinen mechanischen Reiz bekommen die Triebe zu verstärken, diese Aufgabe übernimmt normalerweise der Wind.
Da es mir jedoch zu schade war den Trieb einfach zu entsorgen entstand das Experiment diesen Steckling vorzubereiten um daraus eine neue Baumchili zu gewinnen.

Gesagt getan. Die unteren Blätter des Triebes wurden alle entfernt und mit einem scharfen Messer wurde dieser direkt unterhalb eines Vegetationspunktes schräg angeschnitten. Wichtig ist, dass man keine Schere verwendet, da diese die Leitbündel der Pflanze quetschen kann. Genau an dieser Stelle befinden sich Zellen, aus denen auch Wurzelgewebe werden kann. Der schräge Anschnitt vergrößert die Wundfläche und kann für ein schnelleres Austreiben der Wurzeln verantwortlich sein.

Schneidet man genau unterhalb einer Vegetationsachsel so können schnell Wurzeln gebildet werden.

Kurz vorher wurde ein kleines Pflanztöpfchen mit üblicher Blumenerde befüllt, gut angefeuchtet und eine kleine schmale Vertiefung in die Mitte der Erde gedrückt. Dort wurde der Steckling reingesteckt. Die Erde wurde noch etwas angedrückt. Jetzt ist es ganz wichtig die Erde feucht - nicht nass - zu halten.

Jetzt heißt es den Boden feucht halten damit der Zweig nicht vertrocknet.

Dazu wurde ein Stück Küchenpapier mehrfach gefaltet und angefeuchtet und unter das Pflanztöpfchen gelegt.
Das Töpfchen wurde zusammen mit dem Küchenpapier vorsichtig in einen Gefrierbeutel gestellt und dieser wurde mit einem Clip verschlossen.
Anschließend wurde der Steckling auf die Fensterbank gestellt. Alle paar Tage wurde der Gefrierbeutel geöffnet um frische Luft hereinzulassen. Da der Steckling anfangs keine Wurzeln hat jedoch über die verbleibenden Blätter Wasser verdunstet ist es wichtig die Luftfeuchtigkeit im Beutel so hoch wie möglich zu halten, damit der Steckling nicht austrocknet. Hat er genug Zeit Wurzeln zu entwickeln so wird er fortan eigenständig überleben können.

Ein Mikroklima kann man zum Beispiel mit einer Plastistüte erzeugen.

Nach einigen Wochen schlägt der Steckling dann tatsächlich Wurzeln und man erhält einen genetischen Klon der Spenderpflanze. Tatsächlich habe ich auch keine Schimmelbildung beobachten können. Würde dies auftreten müsste man natürlich handeln und diesen entfernen.

Die feinen Wurzelhaare dürfen nicht mit Schimmel verwechselt werden! Die Bildung von Wurzeln kann je nach Pflanze auch mehrere Wochen dauern. Hier ging es jedoch innerhalb weniger Tage.

Die feinen Wurzelhaare dienen der Oberflächenvergrößerung, somit können die Pflanzen die im Boden gelösten Nährstoffe noch viel besser aufnehmen.

Sieht doch ganz glücklich aus. Nach einiger Zeit haben sich viele Wurzeln gebildet. Der ganze Vorgang war problemlos.

Nach einiger Zeit hat man einen genetischen Klon der Spenderpflanze erzeugt. Dies klappt übrigens nicht nur mit Chilipflanzen sondern mit einer ganzen Menge anderer Pflanzen.
Planen Sie beispielsweise die Lieblingsbrombeeren aus dem Garten von Verwandten in ihrem eigenen Garten zu kultivieren, so ist dies kein Problem. Bei Bäumen geht man übrigens eher zum sogenannten Veredeln über.