Das Kornfeld im eigenen Garten

Die Vorstellung ist schön! Seinem eigenen Getreidefeld beim Wachsen zuzuschauen. Möglicherweise Pflanzen wie Kamille, Kornblumen, Mohn und hier und da eine Sonnenblume zwischen den Ähren dulden und am Ende Getreide für die eigene Mehlproduktion ernten. Leider ist das ganze doch nicht so einfach, vor allem wenn man großen Wert auf eine reichhaltige Ernte legt.

Das Experiment »Kornfeld im eigenen Garten« sollte man durchaus einmal ausprobieren - wenn man nicht erwartet sich mit eigenem Getreide selbst versorgen zu können. Die Kombination mit Wildblumen, Insekten, Vögeln und kleinen Nagetieren ist besonders reizvoll, wenn man Kinder hat und ihnen so die einzige Möglichkeit bietet zu erfahren wie früher Getreidefelder aussahen. Dann muss es auch kein großes Stück Land sein was man zu diesem Zweck bewirtschaftet. Einige Quadratmeter genügen, je nach dem wie viel Platz man bereit ist zu investieren. Natürlich verwendet man dann auch keine Pestizide, Kunstdünger oder genetisch verändertes Saatgut.

Welche Getreideart man wählt hängt von dem Bodentyp und der Region ab. Hier kann man ruhig einen lokalen Landwirt fragen welches Getreide er für die Region als besonders geeignet findet. Vielleicht verkauft er einem auch etwas Saatgut passend zur Fläche die man bestellen will.

Nach den jeweiligen Anbauprofilen der Getreidesorten bearbeitet man den Boden, sät die Körner aus und ergänzt sein Feld ggf. noch mit einer Wildblumenmischung. Von den Insekten, die so angelockt werden profitieren auch andere Nutzpflanzen im Garten.

Mit der Erntezeit fangen jedoch die Probleme an…

kornblumenfeld Kornblumen werden auch gerne von Bienen besucht

Traditionell kann man das reife Getreide absensen, zu Büscheln zusammenbinden, trocknen lassen, ausdreschen, ggf. entspelzen und lagern. Das klappt super, wenn man viel Zeit und wenig Getreide hat und am Ende stolz auf ein paar eigene Brote ist. Alles was darüber hinausgeht erfordert einen enormen Mehraufwand an Gerätschaften, Wissen und Räumlichkeiten. Doch die eigentlichen Probleme begannen schon vor der Ernte.

Da man auf Pestizide verzichtet hat kann man sich nicht sicher wie hoch der Anteil an gesundheitsschädlichen Schimmelpilzen an den Körnern ist. War die Sorte resistent genug, war das Wetter zur richtigen Zeit trocken genug? Viele moderne Sorten werden heute so gezüchtet, dass sie relativ kurze Stiele haben. Das lässt sie bei Wind nicht so schnell umknicken, durch die kürzere Distanz zum Boden ist die Gefahr von Schimmel aber wieder größer. Schimmelpilze, wie andere Schädlinge können sich auch bei der Lagerung ausbreiten.

Das nächste Problem kommt nach der Ernte auf einen zu. Was geschieht mit dem Stoppelfeld? Möchte man das Land weiter bewirtschaften, ist es notwendig, den Acker wieder umzupflügen oder umzugraben. Bei kleinen Stücken ist die kein Problem.

Fazit: Ein eigenes Getreidefeld ist eine tolle Sache aber wer sich mit dem Getreide selbst versorgen möchte muss sich im Vorfeld im klaren darüber sein was da auf ihn zukommt. Wer Tiere hat freut sich über das Stroh und die Körner als Futter. Das Stroh lässt sich auch zum Mulchen verwenden oder  für den Winterschutz von Bäumen und Sträuchern.